TAMK Was haben Morgenkaffee und Papierverpackungen gemeinsam? Eine finnische Innovation im Bereich der Kreislaufwirtschaft unter der Leitung der Fachhochschule Tampere (TAMK) wandelt Nebenprodukte aus der Kaffeeröstung in Farbstoffe für industrielle Druckfarben um. In Zusammenarbeit mit dem weltweit tätigen Druckfarbenhersteller Siegwerk hat die Technologie nun bei Papiertüten den kommerziellen Einsatz erreicht.
Im August 2026 bedruckten TAMK, Natural Indigo Finland, BioInk, Meira, Siegwerk und Hornung Verpackungen erfolgreich Papiertüten mit einer wasserbasierten Druckfarbe, deren Farbstoffe aus Nebenprodukten der Kaffeeproduktion gewonnen wurden.
Das Projekt zeigt, wie industrielle Nebenprodukte zu hochwertigen Materialien werden können und gleichzeitig die Abhängigkeit des Verpackungsdrucks von fossilen und synthetischen Pigmenten verringert wird.
Von der Laborforschung zum industriellen Druck
Das Projekt begann vor zwei Jahren mit der Erforschung biobasierter Farbstoffe aus industriellen Nebenprodukten (Meldung vom 23. Mai 2025). Im Jahr 2025 wurden aus Kaffee gewonnene Farbstoffe erfolgreich für den Flexodruck auf Einkaufstüten auf Faserbasis eingesetzt, wodurch ihre Leistungsfähigkeit in einer industriellen Umgebung unter Beweis gestellt wurde.
Die Innovation fand internationale Anerkennung. Die mit Kaffee-Farbe bedruckte Verpackung gewann die Publikumswahl beim »New Wood 2025«-Wettbewerb sowie den »Sustainable Innovations Competition« auf der PacTec in Helsinki/FIN. Zudem erhielt sie mehrere internationale Nominierungen für ihre innovative Anwendung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und für nachhaltige Materialentwicklung.
Die Forschungsgruppe »Biocolores« der TAMK und ihre Industriepartner haben seitdem die Farbstärke und die technische Leistungsfähigkeit der Farbe verbessert, wodurch anspruchsvollere Verpackungsanwendungen möglich wurden.
Wertschöpfung aus Nebenprodukten der Kaffeeindustrie
Die Farbstoffe werden aus Nebenprodukten der Kaffeeindustrie gewonnen, die von Meira Oy bereitgestellt werden. Mit Hilfe der BioInk-Technologie von Natural Indigo Finland hat Siegwerk sie zu industriellen Druckfarben auf Wasserbasis verarbeitet (Meldung vom 12. März 2026).
Materialien, die zuvor der energetischen Verwertung zugeführt wurden, können so zu hochwertigen nachwachsenden Rohstoffen werden. Der Fortschritt von der Laborforschung über die nationale Pilotproduktion bis hin zu einer internationalen industriellen Demonstration ebnet den Weg für einen breiteren Einsatz nachwachsender Farbstoffe in Verpackungen.
»Wir sind stolz darauf, dass unser Nebenprodukt aus der Kaffeeproduktion Teil einer nachhaltigeren Verpackungswertschöpfungskette wird. Dieses Projekt zeigt, wie durch Zusammenarbeit industrielle Nebenprodukte in wertvolle Ressourcen und neue Lösungen für die Kreislaufwirtschaft verwandelt werden können«, sagt Heidi Päiväniemi, Marketing- und Nachhaltigkeitsdirektorin bei Meira Oy.
»Diese Zusammenarbeit verbindet die Verwertung von Nebenprodukten, Forschung und industrielle Drucktechnologie, um erneuerbare Farbstoffe für anspruchsvolle Anwendungen herzustellen. Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung kommerzieller Einführung«, sagt Pasi Ainasoja, CEO von Natural Indigo Finland und BioInk Ltd.
Papiertüten setzen den nächsten industriellen Maßstab
Der Druckauftrag für Tüten mit Kreuzboden markierte einen wichtigen Schritt in Richtung Kommerzialisierung. Der Versuch, der unter Einbeziehung von Siegwerks Fachwissen im Bereich nachhaltiger Drucktechnologien durchgeführt wurde, erzielte unter Produktionsbedingungen eine hervorragende Druckqualität, Prozesskompatibilität und Leistung.
Die Druckfarbe erzeugt keine VOC-Emissionen und verwendet als Bindemittel den technischen Lack von Siegwerk mit hohem Anteil an biobasierten Rohstoffen.
»Dieser Farbstoff auf Kaffeebasis passt perfekt in unser Portfolio an biobasierten Produkten«, sagt Paul Pain, Global Head of Waterbased Technology bei Siegwerk. »Bei der Entwicklung nachhaltiger Druckfarben lag der Fokus bisher oft auf erneuerbaren Bindemitteln. Farbstoffe auf Kaffeebasis runden das Bild ab. Der Test hat die technische und wirtschaftliche Machbarkeit für eine weitere industrielle Skalierung gezeigt.«
Zukunft der Kreislaufwirtschaft gestalten
Für die TAMK zeigt das Projekt, wie angewandte Forschung industrielle Wirkung entfalten und die Kreislaufwirtschaft unterstützen kann. Zu ihrem Innovationsökosystem gehören Verpackungshersteller, die bereit sind, nachhaltige Lösungen in realen Produktionsumgebungen zu testen.
»Wir forschen seit Jahren an der Verwertung industrieller Nebenströme zu wertvollen Farbstoffen. Diese Innovation birgt erhebliches Potenzial im Flexodruck und darüber hinaus«, sagt Dr. Kai Lankinen, leitender Forscher und Leiter der Biocolores-Forschungsgruppe der TAMK. »Außerdem zeigt sie unseren Studierenden, wie Hochschulen und Industrie gemeinsam nachhaltige Innovationen mit praktischer Wirkung schaffen können.«
»Nachhaltigkeit gewinnt in der gesamten Verpackungsbranche zunehmend an Bedeutung. Dieses Projekt ermöglichte es uns, eine innovative biobasierte Druckfarbe unter realen Produktionsbedingungen zu evaluieren«, sagt Rüdiger Hornung, Geschäftsführer von Hornung Verpackungen.
Der erfolgreiche Test ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg von der Laborforschung zur industriellen Anwendung. Heute werden Kaffeenebenprodukte zum Bedrucken von Papiertüten genutzt. Morgen könnten ähnliche biobasierte Farbstoffe weltweit in Verpackungen zum Einsatz kommen.
Erfahren Sie mehr über die Entwicklung – hier klicken. (Bildquelle: Siegwerk)
〉 www.tuni.fi
〉 www.meira.fi
〉 www.naturalindigo.fi
〉 www.siegwerk.com

























