MEDIASECUR Die Flut von kundenseitigen Verträgen und Vereinbarungen, die die Druckindustrie im Vorfeld einer Auftragsvergabe durch ihre Kunden erlebt, trifft das gesamte Gewerbe, vor allen Dingen aber Verpackungs- und Etikettenhersteller. Qualitätssicherungsvereinbarungen, Lieferanten-Zusicherungen und Konformitätserklärungen sind nur einige Beispiele für Rechtsliteratur, die zunächst aufwändig geprüft werden muss.
Die erschreckende Erfahrung, die viele Betriebe zwischenzeitlich machen mussten, ist, dass solche kundenseitige Verträge Klauseln und Formulierungen enthalten können, die Präventionen aushebeln, welche der grafische Betrieb für den Schadenfall geschaffen hat. Am Ende sichert also die Unterschrift unter solche Verträge niemanden mehr ab, sondern gefährdet im Gegenteil sowohl die Druckerei als auch deren Kunden für den Fall einer fehlerhaften Lieferung. Es ist also nachvollziehbar, dass in den Fertigungsbetrieben eine Menge Zeit und Know-how dafür aufgewendet wird, Vertrag für Vertrag auf eben solche Formulierungen zu prüfen.
Fakt ist allerdings auch, dass die Inhalte der unterschiedlichen Vertragsarten – auch die verschiedener Industriekunden – zu beinahe 80% deckungsgleich sind. Warum ergreift nun niemand die Initiative und bietet eine gemeinsame Plattform, innerhalb derer diese Werke erfasst und abgeglichen werden – um sie dann einer breiteren Gruppe von Druckereibetrieben wieder zur Verfügung zu stellen? Die Antwort auf diese Frage hat nunmehr einen Namen, denn es gab eine Kick-Off- Veranstaltung zur Initiative »SafetySign«.
Bereits Ende Juli 2016 trafen sich Führungskräfte bedeutender Hersteller aus den Bereichen Etiketten und Verpackungen zu einem Workshop, der genau die bis hierhin beschriebenen Themen zum Inhalt hatte. Im Laufe der Gespräche wurde einmal mehr deutlich, wie hoch die Deckungsgleichheit bei den Kunden dieser Unternehmen ist, nachdem jeweils mitgebrachte Dokumente verglichen wurde. Gleichzeitig wurde klar, dass z.B. die eine oder andere Qualitätssicherungsvereinbarung gar nicht von jedem Einzelnen hätte aufwändig geprüft werden müssen, wenn man sich bereits frühzeitiger zu diesen Herausforderungen an einen Tisch gesetzt hätte.
Es entsteht nun innerhalb dieser Initiative ein Online-Portal, in dem sich komfortabel prüfen lässt, ob und welche Vereinbarungen bereits bei bestimmten Herstellern behandelt werden mussten, um die Ergebnisse hierzu ebenfalls als Information zur Verfügung zu stellen.
Moderiert und geleitet wird die Initiative durch die mediasecur Beratungsgesellschaft aus Frankfurt/MAin. Deren Experten sehen »SafetySign« als ein schlüssiges Ergebnis aus einem funktionierenden Haftungsmanagement in Betrieben der Druckindustrie. Geschäftsführer Oliver Schaeben geht bei den Zielen der Initiative sogar einen Schritt weiter. »Als Resultat der Beispiele, die die Betriebe aus dem Verpackungs- und Etiketten-Druck liefern, möchten wir ein Dokument erstellen, das ein Gegengewicht zu den kundenseitigen Verträgen bietet«, erklärt der Branchen-Experte. »Wir werden also an einen Punkt kommen, an dem die Industriekunden der Druckindustrie gar keine eigenen Verträge zur Unterschrift vorlegen müssen, sondern direkt von den Herstellern eine sogenannte ›Qualitäts-Haftungs-Vereinbarung‹ zugeschickt bekommen, die alles beinhaltet, was sich der Kunde hätte vertraglich zusichern lassen wollen. Und dieses Dokument ist dann selbstverständlich frei von schädlichen Klauseln oder Formulierungen.«
Die teilnehmenden Betriebe der Initiative »SafetySign« sind überwiegend in den führenden Fachverbänden ihrer Branchen, dem VSkE e.V. für den Etikettendruck und dem FFI e.V. für die Faltschachtelproduktion, organisiert. Innerhalb beider Verbände herrscht ein lebhaftes Interesse daran, die Initiative voranzutreiben. Sowohl die Mitbegründer der Initiative als auch die Verantwortlichen in den Verbänden können sich vorstellen, dass dies ein Projekt wird, dessen Größe und Verbreitung die Industriekunden des grafischen Gewerbes davon überzeugt, nur noch entlang der Unterlagen ihrer Zulieferanten ruhigen Gewissens und in einem absolut rechtssicheren Raum ihre Aufträge zu vergeben. (Grafik: Mediasecur)
















